
GdB-Antrag bei Depression: Welche Nachweise sind wichtig?
Eine Depression kann das Leben erheblich einschränken. Selbst alltägliche Aufgaben wie Einkaufen, Termine wahrnehmen oder den Haushalt erledigen können zur Belastung werden.
Trotzdem wissen viele Betroffene nicht, ob sie wegen ihrer Depression einen Grad der Behinderung (GdB) beantragen können.
Andere haben bereits eine ärztliche Diagnose, sind aber unsicher, ob diese für den Antrag ausreicht.
Eine Depression kann bei der Feststellung des GdB berücksichtigt werden. Entscheidend ist jedoch nicht allein die Diagnose, sondern wie stark und wie dauerhaft die Erkrankung Ihre Teilhabe am Leben beeinträchtigt.
Hier erfahren Sie, welche Nachweise wichtig sind, wie Depressionen bewertet werden und worauf Sie bei der Antragstellung achten sollten.
Kann man wegen einer Depression einen GdB beantragen?
Ja. Auch psychische Erkrankungen können als Behinderung anerkannt werden.
Voraussetzung ist grundsätzlich, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen voraussichtlich länger als sechs Monate bestehen und die gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinträchtigen.
Das bedeutet: Sie müssen nicht zusätzlich eine körperliche Erkrankung haben, um einen GdB beantragen zu können.
Eine Depression kann beispielsweise Auswirkungen auf die Belastbarkeit, Konzentration, Tagesgestaltung und sozialen Kontakte haben.
Allerdings führt nicht jede depressive Erkrankung automatisch zu einem GdB von 30, 40 oder 50.
Die zuständige Behörde bewertet die tatsächlichen Auswirkungen der Erkrankung anhand der medizinischen Unterlagen und der versorgungsmedizinischen Grundsätze.
Welchen GdB kann man bei Depression bekommen?
Für die Bewertung psychischer Störungen enthalten die versorgungsmedizinischen Grundsätze unterschiedliche Bewertungsrahmen.
Dabei kommt es auf die Schwere der Funktionsbeeinträchtigungen an.Ausmaß der psychischen BeeinträchtigungGdB-RahmenLeichtere psychische Störungen0–20Stärker behindernde Störungen mit wesentlicher Einschränkung der Erlebnis- und Gestaltungsfähigkeit30–40Schwere Störungen mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten50–70Schwere Störungen mit schweren sozialen Anpassungsschwierigkeiten80–100
Diese Werte orientieren sich an Teil B Nr. 3.7 der Versorgungsmedizinischen Grundsätze.
Wichtig: Die Tabelle ist keine automatische Zuordnung von „leichter“, „mittelschwerer“ oder „schwerer“ Depression zu einem bestimmten GdB.
Eine ärztlich diagnostizierte schwere depressive Episode bedeutet beispielsweise nicht zwangsläufig, dass ein GdB von 50 festgestellt wird.
Die medizinische Diagnose und die versorgungsmedizinische Bewertung sind nicht identisch.
Kann man mit Depression GdB 50 bekommen?
Ja, das ist grundsätzlich möglich.
Für einen GdB im Bereich von 50 bis 70 setzt der entsprechende Bewertungsrahmen eine schwere psychische Störung mit mittelgradigen sozialen Anpassungsschwierigkeiten voraus.
Entscheidend ist die gesamte gesundheitliche Situation. Eine einzelne Diagnose, eine Krankschreibung oder die Einnahme bestimmter Medikamente beweist für sich genommen noch nicht, dass diese Voraussetzungen erfüllt sind.
Welche Nachweise sind für einen GdB-Antrag bei Depression wichtig?
Bei einem GdB-Antrag wegen Depression können verschiedene medizinische Unterlagen relevant sein.
Besonders wichtig sind Nachweise, die nicht nur die Erkrankung benennen, sondern auch ihren Verlauf und die damit verbundenen Einschränkungen beschreiben.
1. Fachärztliche Berichte
Berichte von Fachärzten für Psychiatrie und Psychotherapie können eine wichtige Grundlage sein.
Sie können beispielsweise Informationen enthalten über:
- Die festgestellte Diagnose.
- Den bisherigen Krankheitsverlauf.
- Die Ausprägung der Beschwerden.
- Festgestellte psychische Funktionsbeeinträchtigungen.
- Bisherige Behandlungen und deren Verlauf.
Nicht jeder Betroffene verfügt bereits über einen ausführlichen fachärztlichen Bericht.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass kein Antrag möglich ist.
2. Psychotherapeutische Behandlungsberichte
Wenn Sie sich in psychotherapeutischer Behandlung befinden, können entsprechende Berichte ebenfalls relevant sein.
Sie können beispielsweise den Verlauf der Beschwerden, die Dauer der Behandlung und beobachtete Einschränkungen dokumentieren.
Entscheidend ist, welche Informationen für die Feststellung Ihrer gesundheitlichen Beeinträchtigungen benötigt werden.
Sie müssen dafür nicht ungefragt sämtliche persönlichen Gesprächsinhalte oder vollständige Therapienotizen offenlegen.
3. Krankenhaus- und Tagesklinikberichte
Wurden Sie aufgrund Ihrer Depression stationär oder teilstationär behandelt, können Entlassungsberichte wichtige Informationen enthalten.
Darin werden häufig der Krankheitsverlauf, Untersuchungsergebnisse, die Behandlung und der Zustand bei der Entlassung beschrieben.
4. Reha-Entlassungsberichte
Auch Berichte aus einer psychosomatischen oder psychiatrischen Rehabilitation können relevant sein.
Sie können unter anderem Aussagen über Belastbarkeit, Konzentration, psychische Stabilität und weitere Funktionsbeeinträchtigungen enthalten.
5. Hausärztliche Unterlagen
Wenn Ihr Hausarzt Sie wegen Ihrer Depression behandelt oder über einen längeren Zeitraum begleitet, können auch diese Unterlagen berücksichtigt werden.
Das gilt insbesondere dann, wenn daraus der Verlauf und die gesundheitlichen Auswirkungen der Erkrankung nachvollziehbar hervorgehen.
Nicht die Menge der Unterlagen entscheidet, sondern wie aussagekräftig sie für Ihre gesundheitliche Situation sind.
Warum die Diagnose allein häufig nicht ausreicht
Stellen Sie sich zwei Menschen vor, bei denen jeweils eine depressive Erkrankung diagnostiziert wurde.
Beide haben dieselbe Diagnose in ihrem Arztbericht stehen.
Die tatsächlichen Auswirkungen können sich dennoch erheblich unterscheiden.
Eine Person kann trotz ihrer Beschwerden den Alltag weitgehend selbstständig gestalten.
Eine andere Person benötigt regelmäßig Unterstützung, zieht sich stark aus sozialen Kontakten zurück und hat erhebliche Schwierigkeiten, grundlegende Aufgaben zu bewältigen.
Obwohl die Diagnose ähnlich lautet, können die Funktionsbeeinträchtigungen unterschiedlich ausgeprägt sein.
Deshalb ist für die GdB-Bewertung wichtig, wie sich die Erkrankung tatsächlich auf das Leben auswirkt.
Ein Arztbericht, der nur eine Diagnose nennt, vermittelt möglicherweise kein vollständiges Bild dieser Auswirkungen.
Welche Einschränkungen sind bei Depression für den GdB relevant?
Psychische Erkrankungen können verschiedene Lebensbereiche betreffen.
Für die Bewertung können beispielsweise folgende Auswirkungen relevant sein, soweit sie tatsächlich bestehen und medizinisch nachvollziehbar sind.
Antrieb und Tagesgestaltung
Manche Betroffene haben erhebliche Schwierigkeiten, morgens aufzustehen, ihren Tagesablauf zu organisieren oder alltägliche Aufgaben zu beginnen und abzuschließen.
Dabei kommt es darauf an, wie stark und wie regelmäßig diese Schwierigkeiten auftreten.
Konzentration und Belastbarkeit
Depressionen können mit Konzentrationsproblemen, verminderter Belastbarkeit und schneller Erschöpfung verbunden sein.
Relevant ist, in welchem Umfang dadurch Funktionen und Aktivitäten beeinträchtigt werden.
Soziale Kontakte
Ein ausgeprägter sozialer Rückzug kann ebenfalls eine Rolle spielen.
Beispielsweise, wenn Kontakte über längere Zeit kaum noch aufrechterhalten werden können oder die Teilnahme am sozialen Leben erheblich eingeschränkt ist.
Haushalt und Selbstversorgung
Auch Schwierigkeiten bei der Haushaltsführung oder Selbstversorgung können auf relevante Beeinträchtigungen hinweisen.
Entscheidend ist jedoch immer die gesamte gesundheitliche Situation und nicht ein einzelnes Symptom.
Beruflicher Alltag
Längere Fehlzeiten, verminderte Belastbarkeit oder Schwierigkeiten im Arbeitsalltag können Hinweise auf die Auswirkungen der Erkrankung sein.
Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung allein legt den GdB jedoch nicht fest.
Wichtig ist das Gesamtbild: Wie stark sind die Einschränkungen, wie lange bestehen sie und welche Auswirkungen haben sie auf Ihre Teilhabe?
Muss ich beim GdB-Antrag meine Depression selbst beschreiben?
Im Antrag werden gesundheitliche Beeinträchtigungen und behandelnde Ärzte beziehungsweise Einrichtungen abgefragt.
Je nach Formular und Verfahren können auch ergänzende Angaben zu Ihren Einschränkungen sinnvoll sein.
Dabei geht es nicht darum, möglichst dramatische Formulierungen zu verwenden.
Vielmehr sollten Ihre Angaben sachlich, zutreffend und nachvollziehbar sein.
Beispiel
Die Aussage „Ich habe Depressionen und bin häufig erschöpft“ beschreibt zunächst eine Diagnose und eine Beschwerde.
Sie lässt jedoch offen, wie stark die Beeinträchtigung tatsächlich ist.
Für die Bewertung können zusätzliche Informationen relevant sein, etwa ob die Erschöpfung regelmäßig zu erheblichen Schwierigkeiten bei der Tagesgestaltung führt und welche Funktionen dadurch eingeschränkt sind.
Entscheidend ist, dass Ihre Angaben mit Ihrer tatsächlichen Situation übereinstimmen und medizinisch nachvollziehbar sind.
Sie müssen Ihre Beschwerden weder verharmlosen noch übertreiben.
Was ist, wenn ich keine aktuellen psychiatrischen Arztberichte habe?
Nicht jeder Betroffene befindet sich durchgehend in fachärztlicher Behandlung.
Manche werden zunächst ausschließlich hausärztlich betreut. Andere warten auf einen Therapieplatz oder haben ihre Behandlung unterbrochen.
Ein fehlender aktueller Facharztbericht führt nicht automatisch dazu, dass ein GdB-Antrag ausgeschlossen ist.
Die Behörde kann mit Ihrer Einwilligung medizinische Unterlagen bei den angegebenen behandelnden Ärzten und Einrichtungen anfordern.
Allerdings können fehlende oder wenig aussagekräftige medizinische Informationen die Beurteilung erschweren.
Prüfen Sie deshalb, welche vorhandenen Befunde Ihre Erkrankung und die damit verbundenen Beeinträchtigungen dokumentieren.
Welche Fehler sollte man beim GdB-Antrag wegen Depression vermeiden?
Fehler 1: Nur die Diagnose angeben
Die Diagnose ist wichtig. Für die Bewertung müssen aber auch die tatsächlichen Funktionsbeeinträchtigungen erkennbar sein.
Fehler 2: Nur auf Krankschreibungen verweisen
Eine längere Arbeitsunfähigkeit kann ein Hinweis auf gesundheitliche Probleme sein. Sie ersetzt jedoch keine umfassende versorgungsmedizinische Bewertung.
Fehler 3: Wichtige Behandlungsstellen nicht angeben
Wenn relevante behandelnde Ärzte oder Einrichtungen fehlen, können wichtige medizinische Informationen bei der Sachverhaltsaufklärung unberücksichtigt bleiben.
Fehler 4: Beschwerden aus Scham herunterspielen
Gerade bei psychischen Erkrankungen fällt es manchen Menschen schwer, über ihre tatsächlichen Einschränkungen zu sprechen.
Für eine sachgerechte Bewertung ist es wichtig, dass die vorhandenen Beeinträchtigungen nachvollziehbar werden.
Fehler 5: Einen bestimmten GdB allein aus der Diagnose ableiten
Die Diagnose einer mittelschweren oder schweren Depression garantiert keinen bestimmten GdB.
Entscheidend bleiben die versorgungsmedizinischen Kriterien und die individuelle Ausprägung der Beeinträchtigungen.
GdB-Antrag bei Depression vorbereiten: Wie der GdB-Kompass unterstützen kann
Vielleicht haben Sie bereits mehrere Arztberichte, eine längere Krankengeschichte und eine bestätigte Diagnose.
Trotzdem bleibt die Frage: Welche Angaben gehören in den Antrag, welche Einschränkungen sollten nachvollziehbar dargestellt werden und wie passen die vorhandenen Befunde dazu?
Gerade bei psychischen Erkrankungen ist das nicht immer leicht. Viele Auswirkungen sind für Außenstehende nicht unmittelbar sichtbar.
Der GdB-Kompass von Anspruch-einfach
Der GdB-Kompass ist ein digitales Selbsthilfesystem, das Sie bei der strukturierten Vorbereitung Ihres GdB-Antrags unterstützt.
Er enthält praktische Anleitungen, Arbeitsmittel, Checklisten und Formulierungsbeispiele, mit denen Sie Ihre persönliche Situation Schritt für Schritt aufarbeiten können.
Damit erhalten Sie nicht nur allgemeine Informationen darüber, was beim GdB-Antrag wichtig ist, sondern konkrete Hilfsmittel für die eigene Vorbereitung.
Der GdB-Kompass ersetzt keine individuelle Rechtsberatung und garantiert keine bestimmte GdB-Einstufung.
Häufige Fragen zum GdB bei Depression
Kann man mit Depression einen Schwerbehindertenausweis bekommen?
Ja, grundsätzlich ist das möglich. Ein Schwerbehindertenausweis setzt jedoch einen festgestellten GdB von mindestens 50 voraus. Ob dieser erreicht wird, hängt von der individuellen Bewertung der gesundheitlichen Beeinträchtigungen ab.
Wie viel GdB bekommt man bei mittelschwerer Depression?
Es gibt keinen festen GdB allein aufgrund der Diagnose „mittelschwere Depression“. Die Behörde bewertet die tatsächlichen Funktionsbeeinträchtigungen anhand der versorgungsmedizinischen Grundsätze.
Kann ich einen GdB beantragen, obwohl ich noch arbeite?
Ja. Eine bestehende Berufstätigkeit schließt einen GdB nicht aus. Für die Bewertung kommt es auf die gesamten gesundheitlich bedingten Teilhabebeeinträchtigungen an.
Brauche ich für den GdB-Antrag ein psychiatrisches Gutachten?
Ein eigens für den Antrag erstelltes psychiatrisches Gutachten ist nicht grundsätzlich vorgeschrieben. Die Behörde prüft die vorhandenen medizinischen Unterlagen und kann weitere Ermittlungen veranlassen, wenn dies erforderlich ist.
Kann ich Depression und körperliche Erkrankungen gemeinsam angeben?
Ja. Im Antrag sollten alle relevanten gesundheitlichen Beeinträchtigungen angegeben werden. Die einzelnen GdB-Werte werden allerdings nicht einfach addiert.
Wenn Sie genauer verstehen möchten, wie mehrere Erkrankungen gemeinsam bewertet werden, lesen Sie unseren Ratgeber „GdB bei mehreren Erkrankungen: Wie wird der Gesamt-GdB gebildet?“.
Muss ich meine Depression seit mindestens sechs Monaten haben?
Maßgeblich ist grundsätzlich, ob die gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate bestehen werden. Sie müssen daher nicht in jedem Fall bereits sechs Monate abwarten, bevor Sie einen Antrag stellen.
Fazit: Beim GdB-Antrag wegen Depression zählen die tatsächlichen Einschränkungen
Eine Depression kann bei der Feststellung des Grades der Behinderung berücksichtigt werden.
Für die Bewertung reicht die Diagnose allein jedoch nicht aus. Entscheidend sind die Dauer, die Ausprägung und die Auswirkungen der Erkrankung auf die gesellschaftliche Teilhabe.
Besonders wichtig sind deshalb medizinische Unterlagen, die den Krankheitsverlauf und die bestehenden Funktionsbeeinträchtigungen nachvollziehbar dokumentieren.
Wer einen GdB wegen Depression beantragen möchte, sollte nicht versuchen, eine bestimmte Zahl zu begründen, sondern darauf achten, dass die tatsächliche gesundheitliche Situation vollständig und sachlich dargestellt wird.
Stand: Oktober 2026. Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine individuelle Rechtsberatung.